Unterwegs
Kommentare 4

Felsen und Täler im Bayerischen Wald

Bayerischer Wald, das klingt nach Kurklinik und 50er-Jahre Charme. Das war auch sicherlich lange so und ist an vielen Stellen noch zu finden. Aber die Region ist im Wandel, nachdem Urlaub im eigenen Land immer attraktiver wird. 

Seit einigen Jahren treffen wir uns unter Freunden für ein verlängertes Wanderwochenende in der Mitte Deutschlands. Und da gibt es viel zu entdecken. Voriges Jahr war es der Hainich, dieses Jahr trafen wir uns im Bayerischen Wald, Ausgangspunkt war Bad Kötzting. Es sind nur wenige Kilometer bis Tschechien und auch nur wenige Kilometer bis zum Großen Arber, mit über 1400 Metern der höchste Berg im Bayerischen Wald. 

Bergwege im Bayerischen Wald

Rund um den Großen Arber erstrecken sich Höhenzüge, in denen sich ein Tausender an den nächsten reiht. Südöstlich von Bad Kötzting liegt zum Beispiel der Kaitersberg, eine Kette aus Großem Riedelstein (1134m), Kleinem Riedelstein, Rauchröhren, Steinbühler Gesenke (1044m) und schließlich dem Mittagsstein (1034m). Den Abschluss macht der vorgelagerte 999m hohe Kreuzfelsen, der mit seinem riesigen Kreuz weithin sichtbar ist. 

Rast auf dem Kreuzfelsen mit großartigem Blick

Interessant an der Kette ist, dass sie nicht nur aus Wald besteht, sondern sich entlang des Bergrückens tolle Felsformationen ziehen. An den Rauchröhren, einer Felsgruppe, wird viel geklettert. Nicht nur der Name ist exotisch, die großen Felsen sind wie wild dahingewürfelt auf dem Bergkamm aufgetürmt. Das Steinbühler Gesenke ist eine ausgesetzte Felsgruppe mit fantastischer Sicht. Durchaus also auch anspruchsvoll zu gehen und kein Spazierweg.

Ausblick ins Land vom Steinbühler Gesenke

Dieses Mal hatte ich nur einen Teil des Fotoequipments dabei – manchmal ist weniger mehr – vor allem, wenn es lang zu schleppen ist. Schließlich waren die Touren immer über 20 km lang! Und in der Beschränkung liegt auch eine Kraft! Aber das 15mm habe ich mitgenommen, damit wollte ich noch etwas experimentieren. Denn wenn man es einsetzt, wie ein normales Objektiv, ergeben sich so viele schiefe Linien, dass es nur für bestimmte Zwecke sinnvoll ist, will man ein ansprechendes Foto bekommen. Da ich bisher nicht mit solchen Brennweiten auf Vollformat fotografiert habe, erfordert es etwas Übung. Alle Fotos bis hierBis einschließlich des Staumauer-Fotos unten sind mit dem 15mm gemacht. Richtig eingesetzt funktioniert es ja dann doch wie es soll.

Wasserwege im Bayerischen Wald

Der nächste Wandertag zeigte uns eine ganz andere Seite vom Bayerischen Wald: Dichte Nadelwälder mit saftigen Moosteppichen und Wasserwandern entlang des Schwarzen Regen. 

Stromerzeugung am Höllensteinsee

Die Überraschung war, dass wir in eine Probe zu Shakespeares Sommernachtstraum auf Mundart gerieten, als wir uns das kleine Freilichttheater am Lichtenberg anschauten. Wer eine klassische Bühne erwartet, wird verblüfft sein, es ist vielmehr ein zugewachsenes und verwunschenes Gelände – sehr romantisch. Überhaupt bietet der Sommer in der Region viele Spektakel und Theater satt – vergangenes Jahr hatte ich ja das Glück, beim Further Drachenstich dabei zu sein. Furth liegt nur knapp 20 Kilomenter entfernt von Bad Kötzting.

Ganz romantisch: Waldbühne am Ludwigsberg – hier finden jedes Jahr die Waldfestspiele statt

Was wäre Bayern ohne Barock. Barock ist ja nicht so meins – was von außen schlicht ist, ist innen überladen. Das viele Gold und die wurstig-kräftigen Putten sagen mir nicht zu, auch die Bildsprache finde ich seltsam. Vielleicht muss man damit aufgewachsen sein, um es zu verstehen. Daher hat eine barocke Kirche immer etwas exotisches für mich. Die Wallfahrtskirche in Weißenregen thront gut sichtbar auf einem Hügel bei Bad Kötzting. Zur Kirche führt ein steiler Weg hinauf, der in vielen Stationen den Kreuzweg Jesu Christi darstellt.

Der Blick zur Wallfahrtskirche Weißenregen

Wir waren in Bruthitze über die Felder vom Schwarzen Regen nach Weißenregen aufgestiegen und haben uns das Innere der Kirche nach einer Stärkung im nebenan gelegenen Biergarten angeschaut. Dort gibt es nämlich die berühmte Schiffskanzel, die wirklich sehenswert ist in ihrer Figürlichkeit. Fast sieht sie aus wie Plastikkitsch chinesischer Provinienz. Aber nein, sie ist aus dem Jahr 1758 von dem einheimischen Bildhauer Johannes Paulus Hager!

Figuren an der Schiffskanzel in Weißenregen

Mal wieder hat mich Deutschland überrascht – zwei extrem abwechslungsreiche und unterhaltsame Wanderungen, nette Einkehrmöglichkeiten, leckeres Essen und prima Schnäpse in der lokalen Brennerei, was will man mehr. 

Hier noch ein paar Inspriationen:

 

4 Kommentare

  1. Roswitha Amschler sagt

    Tolle Bilder und alles wunderschön beschrieben. Da möchte man gleich mitwandern. Hast Du schon mal den Baumwipfelpfad gemacht? Das ist eine interessante Perspektive
    Viele Grüße
    Roswitha

    • Danke, liebe Roswitha. Wir haben letztes Jahr im Hainich dem Baumwipfelpfad gemacht, also zwischen Misch- udn Buchenwald. War sehr interessant. Im Bayerischen Wald gibt es ja mehrere, kennst Du einen?

  2. Sabine Pecoraro-Schneider sagt

    Schöne Eindrücke – eine ganz andere Welt, war 2010 im Winter da!
    Lieben Gruß
    Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.