82 Tage, Unterwegs
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Grauer Himmel am Meer

Schlechtes Wetter kannte ich in den vergangenen Wochen praktisch nicht. Die paar Regenschauer waren überschaubar und es hat immer wieder aufgeklart – oder ich bin einfach weiter gefahren. Das ging nun zum ersten Mal nicht. Der berühmte Regen in Oregon hat mich in seine Fänge bekommen. Nach dem Aufbruch von Tillicum Beach im Einheitsgrau hatte ich zunächst Glück. Am Heceta Head steht ein sehenswerter Leuchtturm. Alleine an dieser früher unerreichbaren Stelle zu bauen! Aber es war ein dunkler Punkt an der Küste und war daher wichtig für die Navigation. 1894 wurde er in Betrieb genommen, 1934 elektrifiziert und seit 1963 vollautomatisiert – aber immer noch sendet er alle zehn Sekunden einen Strahl aus, das ist die Signatur, an der Heceta Head Lighthouse von den Schiffen identifiziert werden kann.

Heceta Head Lighthouse

Die 1000-Watt-Birne in der Fresnel-Linse reicht aus, um einen Lichtstrahl zu erzeugen, der von den Schiffen weit draußen im Meer gesehen werden kann. Die Erdkrümmung setzt der Sichtbarkeit ein Ende. Früher waren es 5 Dochte in Kerosin, die immerhin dank der Linse zwanzig Meilen Reichweite hatten. Das war kein einfacher Job vor 100 Jahren als Leuchtturmwärter. Dauernd das Kerosin die Treppen hochschleppen und den Mechanismus alle vier Stunden aufziehen. Das funktionierte früher wie eine gigantische Stehuhr mit einem Gewicht. Tagsüber musste der ganze Sott von der Linse mit ihren fast vierhundert Einzelbestandteilen poliert werden.

Die Fresnel-Linse samt Glühbirne: Heceta Head Lighthouse

Weite Dünenlandschaft

Bereits am Heceta Lighthouse hatte sich ein blauer Streifen am grauen Himmel abgezeichnet. Bis ich dann in den Oregon Dunes angekommen war, schien teilweise wieder die Sonne. Die Oregon Dunes bedecken ein sehr langes Gebiet, mindestens 50 Kilometer, dazwischen die Flussmündung des Umpqua River bei Reedsport.

Erster Blick auf endlose Dünen

Mein Campingplatz war direkt hinter einer der Dünen, so dass ich angenehm Windschutz hatte, mal wieder war ich fast allein auf dem Platz. Der Wander“weg“ durch die Dünen beginnt direkt beim Campingplatz. Ich musste einfach nur hochsteigen für meine kleine Sandwanderung.

Drei Stunden war ich unterwegs, bergauf und bergab und einfach mal nur dasitzen und in Richtung Meer schauen. Ganz am Meer war ich nicht, da die Dünen und den Pazifik ein Streifen Wald trennt und ich keine Lust auf den Weg zwischen den Bäumen hatte. Die Dünen waren interessanter, mit ihrem Licht- und Schattenspiel.

Und tatsächlich riss es richtig auf, blauer Himmel, Sonne und ein wunderschöner Sonnenuntergang. Mal wieder Glück gehabt!

Steine!

Der nächste Morgen empfing mit leichtem Niesel, aber egal, ich hatte ohnehin noch zu Tanken und einzukaufen in Coos Bay, einer der größeren Städte in der Region. Biegt man dort von der 101 ab, wird es klein und niedlich. An der Abzweigung in Charleston überkam mich der Hunger, also Boxenstop im High Tide Cafe für eine Clam Chowder und ein paar gebackene Austern – lecker! Meeresfrüchte gibt es hier überall, in den Bays werden auch Austern gezüchtet. Von hier waren es nur wenige Meilen zum Cape Arago. Dort wollte ich unbedingt hin, weil das gesamte Cape aus senkrecht gestellten Steinschichtungen besteht.

Der interessanteste Spot hier ist der Shore Acres State Park, auch im Titelbild zu sehen. Hier ragen die Sandsteine in den merkwürdigsten Formationen schräg in die Höhe, stetig den Brechern des Pazifik ausgeliefert. Ich weiß nicht, welche Faltung der Erdkruste hieran schuld ist, jedenfalls sind die Sandsteine, aus denen das gesamte Cape Arago besteht, im Eozän entstanden. Mächtige Flüsse haben Sedimente im Meer abgelagert, aus denen dann der Sandstein samt seinen Einschlüssen entstanden ist.

Von den Wellen freigelegte Einschlüsse

 

Ein gutes Stück vor der Küste liegt das Simpson Reef, über das die Wellen rauschen, das aber auch eine große Kolonie verschiedener Seelöwen beherbergt. Am Aussichtspunkt habe ich eine 80jährige Dame getroffen, die einige Jahre Deutsch an einer amerikanischen Schule bei Wiesbaden unterrichtet hat. Sehr reiselustig, sehr vergnügt, mit ihrer Tochter unterwegs, wohnt sie westlich des Olympic National Park am Meer. Was ich so alles für Menschen treffe!

Seelöwenkolonie

Überraschungen am Cape Arago

Eine freundliche Überraschung an diesem grauen Tag war der Garten in Shore Acres, direkt hinter den Felsen gelegen. Fein gepflegt mit vielen Gehölzen und Buchseinfassungen mit einem Dahlienfeuerwerk. Dazu ein kleiner japanischer Bereich und ein Rosengarten, dessen Rosen auch jetzt, Mitte Oktober, noch betörenden Duft verströmten.

Der Wind frischte merklich auf und blies mich fast vom Cape Arago weg, aber auf meinem Campingplatz an Sunset Beach war kaum was zu spüren. A propos sunset: Der fiel an dem Tag aus, am Strand war ich trotzdem und konnte eine interessante Entdeckung machen: Bei Ebbe werden dort riesige Baumwurzeln sichtbar, die wie gigantische Seesterne aussehen. Was für Bäume da wohl mal gestanden haben? Einfach zu fotografieren war das nicht, aber im allerletzten Licht des Tages und 30 Sekunden Belichtungszeit habe ich doch noch etwas hinbekommen.

Der nächste Tag war ein Regentag wie er im Buche steht. Es goss den ganzen Tag und der Sturm rüttelte an meinem Wohnmobil. Dazu aber im nächsten Beitrag.

2 Kommentare

  1. Gebackene Austern direkt vom Meer, da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Wieder sehr schön geschrieben. Die 80jährige Dame wird wohl genau wissen, warum sie an diesem schönen Fleck Erde lebt.

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