82 Tage, Unterwegs
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Im Land der Geysire – Yellowstone Nationalpark

Yellowstone zu sehen war ein Traum, den ich schon lange gehegt habe. Und nun war ich dort. Über die etwas speziellen Verhältnisse hatte ich ja bereits im letzten Beitrag geschrieben. Als ich von Grand Teton zurückkehrte, war mir das bereits klar und so habe ich mir einfach meine Wege in dem Getriebe gesucht und gefunden. 

Abendlicht

Nach der Anmeldung am Campingplatz bin ich die 10 Meilen zum Grand Prismatic Spring zurückgefahren. Die Sonne war schon nicht mehr auf dem bunten Geysir, aber es gibt ja immer Alternativen für einen Fotografen. Faszinierend finde ich, dass sich die Farben im Dampf fangen, so dass man von weitem oder auch aus ganz flacher Perspektive ein türkis – gelb – rotes Flimmern sieht. Das Abendlicht im heißen Wasser, das hatte was. Zumal sich dann sogar noch eine Federwolke einstellte, die von der untergehenden Sonne orange angestrahlt wurde. Denn so ein Sonnenuntergang bei ganz klarer Luft ist immer etwas blässlich. 

Sonnenuntergang am Grand Prismatic Spring

Außer mir waren auch noch andere Menschen da. Nun ja, da gilt die alte Fotografenregel: Wenn Du es nicht umgehen kannst, mach es zum Teil deiner Motive. Klappt immer wieder erstaunlich gut!

Morgenlicht

Der Campingplatz war eigentlich nur zum Schlafen da, ist eh alles sehr beengt dort. Und so bin ich um halb neun am Abend nach einer Beinahekollision mit einem Bison dort angekommen und um sechs Uhr morgens wieder weggefahren. Auch morgens musste ich warten, bis die Bisons sich von der Straße bequemten. Ziel war das Upper Geyser Basin mit der Hauptattraktion Old Faithful. Der Geysir heißt so, da er zuverlässig alle 60-90 Minuten ausbricht. Praktisch für Besucher: Im Visitor Center gibt es eine Tafel, auf der die Eruptionszeiten der wichtigsten Geysire genannt sind. Manchmal +/- 60 Minuten, aber es funktioniert.

Old Faithful dampft in der Morgendämmerung vor sich hin und wartet auf Publikum

Als ich ankam, war es leer, alles zu. Aber es zeigte sich ja erst der Morgenschimmer am Himmel. Ein Traum, der Dampf der Geysire im Morgenlicht, während die Landschaft noch mit Raureif bedeckt ist.

Bei mehreren Geysiren durfte ich eine Eruption erleben. Old Faithful, natürlich. Dann Grotto Geyser, der mehr vor sich hinschnauft, Castle Geyser und Grand Geyser. Sehr beeindruckend, mit welcher Energie das kochend heiße Wasser in die Höhe schießt. Früh morgens bei Minusgraden löst es sich schnell in Dampf auf, wenn es dann wärmer wird, sind die Fontänen besser sichtbar.

Grand Geyser

Farben der Erde

Aber auch die brodelnden Augen der nicht eruptierenden heißen Quellen sind wunderbar. Das blau auf dem weißen Sinter leuchtet intensiv und Bakterien, die sich in den verschiedenen Hitzestufen der Becken wohl fühlen, geben richtig Farbe. Sie können sich nur ohne Störung entwickeln. 

Einige Pools haben die Farben verloren, weil Menschen Dinge wie Münzen oder anderes hineingeworfen haben. Der Morning Glory Pool ist ein Beispiel dafür. Er ist noch immer schön, muss früher aber so bunt wie der Grand Prismatic Spring gewesen sein. Die Ranger setzen alles daran, dass die Besucher keinen Blödsinn machen – ich hoffe, es hilft. Manchmal müssen die Regeln eben strenger sein.

Morning Glory Pool

Um die Mittagszeit bin ich dann vom Upper Geyser Basin zum Midway Geyser Basin gefahren, um den Grand Prismatic Spring in seiner vollen Schönheit zu bewundern. Es gibt einen Wanderweg, der auf eine Anhöhe in der Nähe führt, von der aus die Sicht auf die Farben besser ist, als direkt davor. Absolut faszinierend! Zu Foto im Titelbild hier noch ein kleiner Zeitraffer-Film.

Schlamm macht schön

Sehr witzig sind auch die Paintpots. Dort ist das heiße Wasser mit dem Sinter und weiteren Zutaten zu einer schlammigen Masse zusammengemischt, die wunderbar blubbert und vergnügliche Geräusche von sich gibt. Die Artist Paintpots und das Norris Geyser Basin versammeln den Hauptteil der Blubberer. Das Norris Geyser Basin habe ich an meinem letzten Vormittag besucht, als das Wetter schon zuzog. Es ist der Hotspot im Park, hier werden die höchsten Temperaturen gemessen. Immer wieder gibt es Veränderungen, so dass viele Bäume sterben, weil ihre Wurzeln durch eine Verschiebung der Temperaturen im Boden buchstäblich gekocht werden. Die Fumarolen dort machen ein geradezu unheimlich lautes Geräusch, ich fühlte mich dem Erdinneren nie näher als dort.

Norris Geyser Basin: Porcelain Basin

Mächtige Bisons

Die Viecher haben es mir angetan, weil sie mich zum Lachen brachten. Sie blockieren munter den Verkehr und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Einmal musste sogar ein Ranger mit Blaulicht und Hupe kommen, um die Herde von der Straße zu bekommen, da sich der Stau bereits über mehr als eine Meile erstreckte. Die stehen halt einfach da und gucken. Und vielleicht entscheiden sie sich dann, oder auch nicht. In jedem Fall ist es klug, abzuwarten, bis die großen Herden sich über die Straße bewegt haben.

Verkehrsbehinderung mit Stillen und Nasepopeln 😉

Beim Wandern auf etwas abgelegeneren Wegen kann es schonmal sein, dass plötzlich ein riesiger Bulle vor einem steht. Ups, was nun? Bärenspray hatte ich zwar dabei, aber ob das was hilft??? Wir haben uns eine Weile angeschaut, der Bulle hat vor sich hin geschnaubt, brumm brumm brumm, und ist dann seiner Wege gegangen. War wohl anderwertig beschäftigt, nach der Menge der Piniennadeln in seiner Wolle.

Aber es gibt auch anderes Getier. Für die Vögel war ich fast immer zu langsam, es gibt hübsche mit ganz blauem Gefieder und Häher mit ihrem typischen Gekrächze, und Krähen, die den Besuchern Fressbares abschwatzen. Und es gibt überall Eichhörnchen und Streifenhörnchen. Sie sind gut zu hören an ihrem Warnpfeifen, sind aber sehr flink und halten nur manchmal still.

Ist so ein Chipmunk nicht süß?

Nur ein bisschen Geologie

Yellowstone hat über die Hälfte aller aktiven Geysire dieser Erde versammelt. Der ursprüngliche Vulkankegel mit gigantischen Ausmaßen – der Kraterrand hatte etwa 50 Kilometer Durchmesser – muss in einer riesigen Explosion weggeflogen sein. Übriggeblieben ist eine der thermal aktivsten Regionen dieser Erde. Überall blubbert und dampft es. Der Supervulkan ist also immer noch aktiv und man befürchtet, dass ein erneuter Ausbruch dramatische Folgen für die gesamte Erde haben wird. Der Kraterrand ist in Teilen zu erkennen, am eindeutigsten, wenn man vom Dunraven Pass nach Canyon Village herunterfährt oder zwischen Norris und Madison, dort sind die Steilwände der Innenseiten zu sehen. Weiter südlich ist das nicht so klar. Da sind Pässe, die zweimal über die Continental Divide führen, die aber innerhalb des (heute niedrigeren) Kraterrands liegt. Der riesige Yellowstone Lake mit seinem dunkelblauen Wasser erstreckt sich heute über die Grenzen der ehemaligen Caldera. 

Giant Geyser

Die thermalen Hauptattraktionen, die West Thumb, Upper, Midway und Lower Geyser Basins liegen alle innerhalb der Caldera. Mammoth Hot Springs und Norris Geyser Basin liegen außerhalb, die Artist Paintpots direkt am Rand. Im Verlauf der Zeit werde ich sicherlich dazu noch etwas schreiben, weil es sehr interessant ist. Dann gibt es auch noch ein paar weitere Fotos.

Mitten in die vielen brösligen Schichten thermaler Aktivitäten hat der Yellowstone River seinen Canyon gegraben. Der große Wasserfall fällt zweihundert Meter in die Tiefe, ein sehenswertes Spektakel, zumal man direkt bis an die Abbruchkante wandern kann.

Yellowstone Canyon mit Wasserfall

Wetterumschwung

Aber ich fahre jetzt erst einmal weiter in wärmere Gefilde. Nach vier Tagen Sonnenschein und T-Shirt-Temperaturen selbst auf 2000 Metern Höhe hat das Wetter gestern Mittag umgeschlagen. Um die späte Mittagszeit fing es an zu regnen, es war sowieso für heute Schnee vorhergesagt. So habe ich mich aufgemacht Richtung Westen, wo das Wetter besser ist. Mich jedenfalls haben Yellowstone und Grand Teton verwöhnt mit einem fantastischen Spätsommer und unglaublichen Eindrücken. Selbst am letzten Abend, als die Wolken schon aufzogen, durfte ich ein paar unglaubliche Minuten erleben. Ich dachte schon, dass das mit dem Sonnenuntergang nichts wird, spazierte aber trotzdem Richtung Clepsydra Geyser. Dann bekam ich noch ein paar Eruptionen zu sehen, während sich die Wolken feurig rot färbten. Hier eine letzte Impression. Nein, nicht Island!

Sonnenuntergang am Clepsydra Geyser

 

4 Kommentare

  1. dorothea sagt

    Hallo Sylvia, tolle Bilde und schöne Texte. Ich bin die Kollegin von Katrin, wir starten morgen Richtung US – ab 6. 10. mit Wohnmobil von SF – hattest Du meine Mail bekommen? Wer weiß, wo unsere Fahrt hingeht…. Schöne Grüße#

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