82 Tage, Unterwegs
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Rauch und Himmel – Crater Lake

Nun bin ich in Klamath Falls. Na toll. Aber das ist der nächste Ort, an dem mein Wohnmobil-Problem gelöst werden kann. Dann muss das halt so sein. Ich bin ein bisschen stinkig auf die langsame Bearbeitung durch Cruise America – das Problem hätte ich selbst alleine schneller gelöst und wäre heute schon fertig gewesen. So habe ich einen Tag in Lakeview verplempert – aber dafür nochmal am Goose Lake den Sonnenuntergang fotografiert. Selbe Stelle, anderes Drama! Die komischen Flecken unterhalb der Sonne im ersten Bild sind übrigens Mücken. Ich war selten so froh, Mückenspray dabei zu haben!

Je nun, gemäß meiner Devise „Man weiß nicht, wozu es gut ist“ und „Mach das Beste daraus“, dachte ich mir, als der Typ in der Werkstatt in Klamath Falls gestern sagte, dass das erst heute was wird, dass ich ja dann einen Tag Zeit für den Crater Lake habe. Was für ein schöner Schachtelsatz, den lass ich gerade so stehen… Eigentlich hatte ich das Ziel gekippt wegen der Waldbrände. Aber wenn ich schonmal nur 50 Meilen davon weg bin, warum nicht? Muss ja irgendwo übernachten. 

Am Crater Lake im Rauch 

Also bin ich losgefahren und je weiter ich von Klamath Falls weggekommen bin, desto diesiger wurde es. Als ich dann den Upper Klamath Lake hinter mir gelassen hatte, konnte ich die Brände schon riechen. Und ich dachte mir: Irgendwo muss der Krater doch sein, 2500 Höhenmeter kann man doch nicht einfach so verstecken. Doch, der Qualm kann. Und es ist eine wahrhaftig traurige Geschichte. An der Strecke sah ich einige Camps von Firefightern samt Heli-Landeplatz. Ich hatte bisher schon einige abgebrannte Regionen gesehen, aber eher klein und überschaubar, und längst gelöscht. Das hier scheint was Größeres zu sein.

Der Krater liegt im Rauch

Am Mazama Campground habe ich eingecheckt, vor zwei Wochen noch bestand die Gefahr, dass Mazama komplett geräumt werden müsste, falls sich die Feuer weiter ausbreiten. Aber die schlimmste Gefahr scheint gebannt zu sein. Am Goose Lake hat es heute zwar geregnet, aber am Crater Lake nicht, alles ist völlig vertrocknet und bei den Mengen an Unterholz an den Hängen braucht es nur einen Funken. Der Wind, der über den Krater pfeift, facht das Feuer von alleine an. 

Am Abend bin ich dann zum Kraterrand gefahren. Die gegenüberliegende Seite konnte ich gar nicht sehen vor lauter Rauch. Das ist schon komisch, da habe ich so viele Bilder gesehen mit dem blauen Auge, auch im Nebel, aber das hier hat eine andere Qualität. Eher gelblich und sehr gleichförmig. Über der Rauchwolke erstreckt sich der blaue Himmel, aus 2400 Metern Höhe ist er zu sehen. Die tiefer liegenden Bergrücken verschwinden mit zunehmender Entfernung in einer hellen Wand. Der Sonnenuntergang ist natürlich interessant, weil er durch die schmutzige Luft viel mehr Farbe bekommt – bis die Sonne dann im Rauch verblasst.

Phantom Ship im Rauch-Dunst

Das, was ich sehen konnte, ist abenteuerlich. Die Innenseiten fallen extrem steil ins Wasser herab. Aber auch die Außenhänge sind sehr steil. Die Straße ist teilweise aus dem Fels gehauen und ich dachte mir so, wenn ich jetzt das Steuer verreiße, dann kann ich nur noch „Oh shit“ rufen, dann ist es vorbei. Ich bin den East Rim ein Stück weit gefahren, die Westseite ist geschlossen wegen Bauarbeiten. Das war aber auch gut so, denn so konnte ich den Sonnenuntergang sehen und einen fantastischen Blick auf das Phantom Ship erhaschen. Ich habe mich immer über den Namen gewundert, aber so sieht es echt wie ein Schiff aus, das den Hafen verlässt. Es ist die zweite, kleinere Insel in dem extrem tiefen Krater. 

Glück heute morgen

Wie Ihr am Titelbild ja schon sehen könnt, gab es auch ein morgen. Heute Nacht war der Himmel wider Erwarten sternenklar. Ich bin dann morgens nochmal an den Crater Lake aufgebrochen. Blauer Himmel und klares Licht, aber in den Tälern rundherum stand der Rauch. Offenbar hat die Kälte der Nacht den Rauch nach unten gedrückt. Die Linie lässt sich gut erkennen. Das aber änderte sich, je mehr die Sonne wärmte und der Rauch stieg wieder auf. 

Die Kälte hält den Rauch unten

Aber bis dahin hatte ich den vollen Genuss des Blauen See-Auges zwischen den Steilwänden.

Die Vegetation am Crater Lake ist extrem. Im Sommer brezelt die Sonne runter, es ist trocken. Tagsüber wird es heiß, nachts kalt, und im Winter ist es hier extrem schneereich. 44 Fuß im Schnitt pro Winter, das sind fast 15 Meter Schnee. Dazu die heftigen Winde durch Höhe und Thermik. Das halten nur wenige Pflanzen aus. Interessanterweise blüht es aber trotzdem sehr schön. Die Bäume sind windzerzaust und biegen sich im Krater zum Rand hin, da hier die Winde aufsteigen. Äste hat diese Kiefernart, die Whitebark Pine, nur auf der windabgewandten Seite. Ihren nackten Stamm streckt sie dem Wind entgegen. Die Stämme der vielen anderen Nadelbäume sind teils mit gelben Flechten bewachsen, was urig aussieht.

Blüten am Kraterrand

Davon gibt es jede Menge: Zwergige Lupinen.

Winzig kleine Rosetten klammern sich zwischen der Lava fest

Unten in Klamath Falls, wo es gestern zwar bewölkt aber relativ klar war, ist heute die Luft grau-beige trüb und der See endete irgendwo im Nichts. Jetzt hoffe ich, dass mit der Reparatur dann alles an Problemen behoben ist für die nächsten Wochen. Allerdings habe ich den Wetterbericht gelesen – im Yellowstone und Grand Teton schneit es diese Woche zum ersten Mal. Hoffentlich ist das bis in einer Woche halbwegs vorbei. Ich muss ja nicht gerade im WoMo festfrieren. Aber sicher ist der Regen gut für die vielen Brände, ich hoffe sehr, dass sich die Situation bessert.

4 Kommentare

  1. Friedrich Knittel sagt

    Ja Sylvia, das ist ja alles so spannend und wir warten schon auf den nächsten Bericht. Wir verfolgen alles über über Google Maps und Wikipedia usw. und können so noch weitere Details erfahren. Deine Stimmungen sind uns natürlich mehr wert, nur weiter so ……

    Papi und Mami fahren in Gedanken mit.

  2. Susanne sagt

    Atemberaubende Bilder und ein toller Bericht! Feuerbereiche kennen wir nur aus dem TV, aber das du ich so nah daran vorbeikommst, hätte ich nicht erwartet. Paß auf dich auf! Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht. 😊😘

  3. Wow, ich werde mir auf meiner nächsten Route unbeding das Phantom Ship ansehen müssen. Die Farben in dieser Landschaft drumrum sind atemberaubend. Weiterhin Good Luck.

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